Mikroplastik im Trinkwasser: Wie gefährlich ist Mikroplastik im Trinkwasser?

Titelbild für einen Ratgeber für Trinkwasser, auf der Grafik steht Chlor im Trinkwasser, ist Mikroplastik im Trinkwasser - ist es gefährlich? Im Hintergrund sieht kleine Mikroplastikteilchen

Mikroplastik im Trinkwasser ist längst kein abstraktes Umweltproblem mehr, sondern rückt immer stärker in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit.

Die Verwendung von Kunststoff hat seit der Entdeckung synthetischer organischer Polymere in der Mitte des 20. Jahrhunderts dramatisch zugenommen. Heutzutage werden weltweit jährlich über 400 Millionen Tonnen Kunststoff produziert. Im Jahr 1950 waren es nur 1,5 Millionen Tonnen.

Bereits in den 1970er-Jahren wurde festgestellt, dass sich kleinste Plastikteile in der Umwelt verbreiten. Heute wissen wir, dass Mikroplastik in unsere Nahrung und Wasserquellen gelangt, wodurch wir die winzigen Kunststoffpartikel in unseren Körper aufnehmen. 

Angesichts dieser Tatsache stellt sich die Frage, wie gefährlich Mikroplastik im Trinkwasser ist und welche potenziellen Auswirkungen Mikroplastik auf die menschliche Gesundheit haben kann.

In diesem Ratgeber erklären wir, was Mikroplastik ist, wie es in unser Trinkwasser gelangt und ob es eine potenzielle Gefahr für unsere Gesundheit darstellt.

Wir bei Riva Systemtechnik entwickeln und produzieren hochwertige Wasserfilter-Systeme, um die Wasserqualität in deinem Zuhause zu verbessern und dich vor Schadstoffen im Trinkwasser zu schützen. Unsere Wasserfilter sind “Made in Germany” und von unabhängigen Laboren zertifiziert.

Das Wichtigste zusammengefasst:

  • Mikroplastik befindet sich in unserer Umwelt und wurde in verschiedenen Trinkwasserquellen, einschließlich Leitungswasser und abgefülltem Wasser, gefunden.
  • Die Auswirkungen von Mikroplastik auf die menschliche Gesundheit sind noch nicht vollständig erforscht.
  • Jüngste Studienergebnisse legen nahe, dass Mikro- und Nanoplastikpartikel gefährlich für den Menschen sein können.
  • Weitere Studien sind nötig, um belastbare Aussagen zum Ausmaß der Gesundheitsgefahr durch Mikroplastik treffen zu können.

Was ist Mikroplastik?

Es gibt bislang noch keine weltweit einheitliche Definition von Mikroplastik. 

In der Literatur und bei vielen Forschungsprojekten versteht man unter Mikroplastik alle Kunststoffpartikel, die kleiner als fünf Millimeter sind.

Ein Schälchen in dem viele kleine blaue Mikroplastikteilchen liegen. Mikroplastik sind Partikel, die unter 5 mm groß sind
Mikroplastik sind Partikel, die kleiner als 5 mm groß sind

Auch das Umweltbundesamt und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) definieren Mikroplastik als wasserunlösliche Kunststoffpartikel, die fünf Millimeter und kleiner sind. 

Noch kleinere Partikel, mit einer Größe von weniger als 1 µm, werden auch Nanoplastik genannt.

Wegen seiner Größe ist Mikro- und Nanoplastik teilweise mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Dennoch ist es überall in unserer Umwelt in großen Mengen vorhanden.

In 2018 hat das Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT) in ihrer Konsortialstudie zu Mikroplastik dargelegt, dass die Kunststoffemissionen in Deutschland zu 26 % aus Makroplastik und zu 74 % aus Mikroplastik bestehen. Dies bedeutet, dass neben den offensichtlichen Makroplastikteilen eine etwa dreimal größere Menge an Mikroplastik existiert, die größtenteils nur unter dem Mikroskop erkennbar ist.

Mikroplastik entsteht entweder, indem es in dieser Größe produziert wird oder durch den Zerfall größerer Plastikteile: Verschiedene Einflüsse wie beispielsweise UV-Strahlung, Salz, Bakterien, oder Reibung zersetzen Plastikteile in immer kleinere Partikel. 

Mikroplastik wird in vielen Forschungsberichten in zwei Kategorien eingeordnet:

  1. Primäres Mikroplastik: Dieses umfasst kleine Partikel, die direkt für den Einsatz in persönlichen und industriellen Produkten hergestellt werden oder beim Gebrauch entstehen, wie beispielsweise durch Reifenabrieb beim Autofahren.
  2. Sekundäres Mikroplastik: Hierbei handelt es sich um Mikroplastik, das durch Verwitterung oder den Zerfall von größeren Plastikteilen entsteht, wie zum Beispiel durch die Verwitterung von herrenlosen Fischernetzen im Meer.

Inzwischen scheint kein Ort dieser Erde mehr frei von Mikroplastik zu sein. Selbst in der Antarktis fanden Forscher eine Vielzahl verschiedener Kunststoffe, wie Polyester, Nylon, Polypropylen, Acryl und andere Polymere. 

Ein kleines Stück Plastik schwimmt im Wasser und wird sich mit der Zeit zu Mikroplastik zersetzen. Unter Umständen kann Mikroplastik auch ins Trinkwasser gelangen

Mikroplastik im Leitungswasser – wie gelangen Plastikpartikel ins Trinkwasser?

Mikroplastik kann auf verschiedenen Wegen in unser Trinkwasser gelangen. Die WHO nennt in ihrer groß angelegten Studie zu Mikroplastik im Trinkwasser unter anderem folgende Möglichkeiten:

  • Landbasierte Quellen: Zum Beispiel durch Abrieb von Straßenmarkierungen und Reifen, Abrieb von Textilien sowie durch landwirtschaftliche Abflüsse wie bei der Nutzung von Klärschlamm als Dünger.
  • Abwasserabfluss: Das Abwasser ist eine weitere weit verbreitete Quelle für Mikroplastikverschmutzung in Süßwasser. Studien aus dem Vereinigten Königreich und den USA haben eine Zunahme der Mikroplastikkonzentrationen stromabwärts im Vergleich zu stromaufwärts nach dem Abwasserauslass festgestellt.
  • Kanalüberläufe: Durch Regenwasserüberläufe, die bei Stürmen und starkem Regen Schutz bieten sollen, kann Mikroplastik in Süßwasser gelangen, da die Abwasserbehandlung vorübergehend umgangen wird.
  • Industrieabwasser: In Frischgewässern wurden Industrie bedingte Mikroplastikpartikel nachgewiesen, die sich in kleine Partikel zersetzen und so in das Trinkwasser gelangen können.
  • Fragmentierung und Zersetzung von Makroplastik: Größere Plastikteile zersetzen sich durch äußere Einflüsse in immer kleinere Partikel und können in Gewässer gelangen.
  • Produktion und Verteilung von Trinkwasser: Die Trinkwasseraufbereitung bietet zwar Schutz vor vielen Schadstoffen im Wasser, kann aber gleichzeitig auch zur Kontamination mit Mikroplastik beitragen, wenn einige Komponenten von Aufbereitungsanlagen, Verteilungsnetzen oder Abfüllanlagen aus Kunststoff bestehen. Die Flaschen und Verschlüsse von Kunststoffflaschen können ebenfalls eine potenzielle Quelle für Mikroplastik im Trinkwasser sein.

Allerdings ist es angesichts der vielfältigen Verwendung von Kunststoffen, der vielen verschiedenen Formen und Arten von Mikroplastik und der zahlreichen Wege, wie Mikroplastik in Trinkwasser gelangen kann, äußerst schwierig, alle Möglichkeiten zu lokalisieren.

Wie viel Mikroplastik ist im Trinkwasser?

Ein Reagenzglas gefüllt mit Wasser in welchem Mikroplastik enthalten sind, das sind viele kleine Partikel, die unter 5 mm groß sind

In Deutschland wird das Wasser in Kläranlagen gereinigt, um Schadstoffe wie Mikroplastik aus dem Leitungswasser zu entfernen. Über mechanische Filter und Zentrifugalkraft können in der Regel 95 % der Mikroplastikpartikel aus dem Wasser gelöst werden. 

Aber: Je kleiner die Plastikpartikel sind, umso schwieriger wird das Abscheiden im Wasseraufbereitungsprozess. Bei sehr kleinen Partikeln stoßen auch Kläranlagen an ihre Grenzen und die Teilchen verbleiben im Wasser.

Inzwischen wurden in mehreren Studien Mikro- und Nanoplastikpartikel im Trinkwasser, Leitungswasser und Mineralwasser nachgewiesen.

In einer Untersuchung von Mikroplastik in Trinkwasser auf fünf verschiedenen Kontinenten wurden insgesamt 159 Proben mit Leitungswasser analysiert. 83 % der Proben enthielten Plastikpartikel. Pro Liter Wasser wurden zwischen 0 und 57 Plastikpartikel gefunden. Die höchste Plastikdichte pro Volumen Leitungswasser wurde in Nordamerika gefunden, während die niedrigsten Dichten zusammen in sieben Ländern Europas gemessen wurden.

In der Studie von Qian et al. wurden Mikroplastik- und auch Nanoplastikpartikel in abgefülltem Trinkwasser in Flaschen gefunden. 

In der Untersuchung von ÖKO-TEST wurden 61 Proben von Trinkwasser aus PET-Plastikflaschen genommen. Dabei fanden die Wissenschaftler in 27 der 61 untersuchten Wässer Mikroplastik, was gut 44 Prozent entspricht. Im Vergleich dazu enthielten alle zehn untersuchten Mineralwässer kein Mikroplastik.

Die Ergebnisse aller Studien müssen allerdings im Zusammenhang mit den verwendeten Maschenweite im Testverfahren interpretiert werden: Bei Studien mit großen Maschenweiten wurde in der Regel über eine geringere Anzahl von Partikeln berichtet als bei Studien mit kleinen Maschenweiten.

Dieser entscheidende Punkt wird auch von Wissenschaftlern in einer neuen US-amerikanischen Studie hervorgehoben: In der Vergangenheit wurde bisher nicht gezielt nach Kunststoffpartikeln im Nanobereich (also mit Partikelgrößen unterhalb von 0,001 Millimetern) gesucht. Daher blieben diese Plastikfragmente im Trinkwasser bislang meist unentdeckt.

Besonders Nanopartikel spielen aber eine wichtige Rolle, wenn es um die Frage geht, wie gefährlich Mikroplastik im Trinkwasser ist.

Wie gefährlich ist Mikroplastik im Trinkwasser?

Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es nur wenige aussagekräftige und vergleichbare wissenschaftliche Studien über die kurz- und langfristigen Auswirkungen von Mikroplastik auf die Gesundheit des Menschen. Aufgrund des aktuellen Forschungsstandes können Experten und Wissenschaftler daher noch keine definitive Aussage darüber treffen, wie gefährlich Mikroplastik im Trinkwasser ist.

Dennoch wurden besonders in der jüngeren Vergangenheit interessante Forschungsergebnisse zu den Auswirkungen von Mikroplastik auf die Gesundheit veröffentlicht. In Fachdiskussionen und aktuellen Studien ist die Aufnahme von Kunststoffpartikeln im Magen-Darm-Trakt beziehungsweise die Wirkung auf Zellen eines der zentralen Themen. 

Die europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) geht nach heutiger Datenlage davon aus, dass die meisten über das Trinkwasser aufgenommenen Mikroplastikpartikel in der Größe von 150 µm den Magen-Darm-Trakt passieren, ohne absorbiert zu werden.

Bei kleineren Partikeln ergibt sich ein anderes Bild: Eine aktuelle Studie aus Österreich konnte nun nachweisen, dass Kunststoffpartikel mit einer Größe von <1 μm innerhalb menschlicher gastrointestinaler Krebszellen vorkommen und aufgrund der körperfremden chemischen Zusammensetzung nicht abgebaut werden. Außerdem gibt es erste Hinweise darauf, dass Mikro- und Nanoplastikpartikel die Zellmigration von Krebszellen im Körper verstärken könnten und damit potenziell die Metastasierung von Tumoren fördern könnten.

Die Studie von Fleury et al. aus dem Jahr 2021 zeigt, dass Mikroplastik im Größenbereich von 1 bis 10 μm an der Zellmembran haften bleibt und diese erheblich dehnt, was letztendlich zu schweren Funktionsstörungen der Zellen führen kann. 

Und eine der jüngsten US-Studien aus dem Jahr 2024 stellten die Forscher fest, dass sich Mikroplastik auch in der Plazenta anreichern kann: In allen Plazentaproben wurde Mikroplastik gefunden, am häufigsten Polyethylen, gefolgt von PVC und Nylon.

Diese und weitere veröffentlichte Studien sind ein Anfang in der Erforschung der Auswirkungen von Mikroplastik im Trinkwasser auf die menschliche Gesundheit. Es ist wahrscheinlich, dass sich das Verständnis von Mikroplastik durch eine Vielzahl neuer Studien in den nächsten Jahren deutlich verbessern wird. Erst dann lassen sich die potenziellen Risiken von Mikroplastik im Trinkwasser genauer bewerten.

Fazit: Mikroplastik im Leitungswasser

Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass Mikroplastik in der Natur verbreitet ist. Inzwischen wissen wir auch, dass kleinste Plastikpartikel über unser Trinkwasser in den Körper gelangen. 

Die genauen Mechanismen, wie Mikroplastik in unser Trinkwasser kommt und welche Auswirkungen es auf unsere Gesundheit hat, sind noch nicht vollständig erforscht. Besonders die Langzeitwirkung von Mikroplastik auf die Gesundheit ist noch unklar, da vergleichbare Studien fehlen, um definitive Aussagen treffen zu können. 

Dennoch sind die Ergebnisse bereits durchgeführter Studien alarmierend: Mikro- und besonders Nanoplastikpartikel scheinen eine große Gefahr für unsere Gesundheit zu sein, auch wenn das Ausmaß aufgrund fehlender Daten noch nicht genau bekannt ist.

Daher ist es entscheidend, die Belastung mit Mikroplastik im Trinkwasser möglichst gering zu halten.

Du kannst Mikroplastik im Trinkwasser reduzieren, indem du Wasserfilter verwendest, die Mikroplastikpartikel effektiv aus dem Wasser entfernen können.

Weitere Informationen dazu, wie Mikroplastik aus dem Wasser gefiltert werden kann und welche Filter dafür geeignet sind, findest du in unserem Ratgeber: “Mikroplastik aus Wasser filtern”.

FAQ: Mikroplastik im Trinkwasser

Wie schädlich ist Mikroplastik für den Menschen?

Es gibt einige wissenschaftliche Studien, die darauf hinweisen, dass Mikroplastik schädlich für den Menschen sein kann. Allerdings müssen weitere Studien durchgeführt werden, um belastbare Aussagen zur potenziellen Gesundheitsgefahr durch Mikroplastik treffen zu können. 

Wird Mikroplastik im Klärwerk gefiltert?

Mikroplastik kann in Klärwerken zu 95 % aus dem Wasser gefiltert werden. Sehr kleine Partikel können allerdings nicht entfernt werden und bleiben im Wasser enthalten. Besonders diese kleinen Partikel können eine Gesundheitsgefahr darstellen, wie aktuelle Studien zeigen.

Gibt es Unterschiede in der Mikroplastikkonzentration zwischen Glas- und Plastikflaschen?

In wissenschaftlichen Studien wurde sowohl in Glas- als auch in Plastikflaschen Mikroplastik gefunden. Mikroplastik kann auf verschiedenen Wegen in das Trinkwasser gelangen, unter anderem in Gewässern, bei der Aufbereitung oder Abfüllung. Aufgrund des Materials kann in Plastikflaschen mehr Mikroplastik enthalten sein als in Glasflaschen. 

Welche Methoden existieren zur Messung von Mikroplastik in Wasser?

Es gibt verschiedene Methoden zur Messung von Mikroplastik in Wasser, wie die Verwendung von Mikroskopen, spektroskopischen Methoden und chemischen Analysen. Eine häufig verwendete Methode ist die Verwendung von Fourier-Transform-Infrarotspektroskopie, womit sich die chemische Zusammensetzung von Mikroplastikpartikeln analysieren lässt. Eine weitere Methode ist die Verwendung von Raman-Spektroskopie, womit die Größe und Form von Mikroplastikpartikeln bestimmt werden kann.

Über den Autor

Frieder Korat ist Geschäftsführer der Riva Systemtechnik GmbH und Experte für hochwertige Wasserfiltersysteme. Gemeinsam mit seinem Team entwickelt er innovative Lösungen für sauberes Wasser in Privathaushalten, Gewerbebetrieben und medizinischen Einrichtungen.

Du hast eine Frage? Dann ruf uns gerne an und wir finden gemeinsam eine passende Lösung für dich!

Diese Artikel könnten dich auch noch interessieren

Quellen: